NAWSA SUBJECT FILE Hobhouse, Emily Exhibits from Miss Hobhouse's 20th letter Philippolis Feb. 4th 1906. Since I have come here, I seem to have been doing little else than unpacking, or oiling and testing Swiss wheels; 19 have now been given away and 12 more must be examined by the carpenter before to-morrow. They have come in the nick of time, for undoubtedly spinning industry is taking firm root. It is delightful to come here after 6 months absence and see how slowly, but surely the work advances. Quite beyond my wildest hopes within the first 12 months. In the hamlets of Rogelsfontein and Waterkloof, besides several outlying farms, quite a number of people spin who have been taught by our pupils. The fact that in this school we may now be sure of a regular and sufficient supply of yarn means more to the success of the weaving than anyone can imagine who has not been through all the anxiety we have in the past year. It is cheering to go from room to room and 2/ see great bundles of long skeins hanging round every wall; in other ways too, I am immensely encouraged by what I find here; the tone of the school is admirable, the spirit and conduct of the girls excellent. There is to be an exhibition of home-made Boer articles at Johannesburg in April, and I have been asked to supply a whole stall. Consequently there is quite a flutter among our girls as to the rugs they will make during the next 7 weeks, and a dread lest the dyes wont hold out. It is difficult at present to get any local vegetable dye; the ground is so hard with the drought, that the roots of the bushes can not be dug out. There are certain things which will always make the industry difficult in this country. A. Lack of water for scouring, dying and teazing. B. Heat. So that hours of work can only be short and output small compared with Europe. C. Enormous distances of workers from any centres. D. High rates of railway for sending goods to the customers. 3/ These are permanent obstacles. Added of course are many others which make it difficult for us to start: a) cost of travelling for the staff of teachers. b) Customs dues on imported goods c) The cost of living is prohibitive - Yesterday was Saturday, and it was delightful to find girls from six and seven hours distance, coming in for church and calling at the school with big bundles of yarn to sell, and to pick up new ideas and new patterns to take home. In this way, they will keep in touch with us and if only we had a motor, or a cart and horse, we could drive round to see them and stay a night here and there. [*With kindest regards E. A.*] Emily Hobhouse und ifr Werk in Südafrika. Miss Emily Hobhouse. Wenig geänderter Sonderabzug des Berichtes aus Nr. 320 und 322 (November 1905) der "Neuen Zürcher Zeitung". Emily Hobhouse und ihr Werk in Südafrika. In die Reiche jener bewunderungswürdigen Frauen, unter denen Elisabeth Frn, Flora Nightingale und Schwester Dora die bekanntesten sind, ist in jüngster Zeit Emily Hobhause getreten, der "gute Engel der Buren". Sie gehört der beschränkten Zahlt seiner und vornehmer Engländer an, die den Kreig gegen die Buren von Anfang an verdammten. Wie ihre edeln Borgängerinnen trat sie früh aus dem Kreise der bloßen Zuschauer heraus, um eine tätige Rolle zu spielen. Uls sie vom Elend hörte, das unter den Frauen und Kindern in dem Konzentrationslagern herrschte, ließ sie sich durch nichts abhalten, die unschuldigen Opfer des unglückseligen Krieges zu besuchen. Sie sah schreckliche Zustände und veröffentlichte ihre Eindrücke nach ihrer Rückkehr. Durch die getreue Darstellung der Wahrheit machte sie sich aber Feinde in England, so daß man versuchte, sie am Aussteigen zu verhindern, als sie zum zweitenmale nach Transvaal reiste. Aber durch ihre Unerschrockenheit und ihre große werktätige Menschenliebe gewann sie um so mehr Freunde und Bewunderer auf dem Kontinent. Daß Südafrifa das Gebiet ihrer Lebenstätigkeit werden mußte, war ihr nach Beendigung des Krieges klar. Während sie durch das verwüstete Land reiste, sah sie die furchtbare Not und die ungeheuren Schwierigkeiten, mit denen die Leute tämpften, um sich zu erhalten. Infolge der allgemeinen Berwüstung, infolge des Mangels an Wasser, Holz und Biehfutter, legen sich dort dem armen Bauer, der sich und die Seinigen weider auf einem eigenen Stück Land erhalten möchte, unübersteigbare Hindernisse in den Weg. Miß Hobhouse konnte wohl mit den Geldmitteln, die ihr durch die Wohltätigkeit zur Berfügang gestellt worden waren, da und dort ein wenig helfen; aber da eine solche Unterstüzung bloß vorübergehend wirft, kam sie allmählich zur Überzeugung: in einem Lande, wo das Dasein einer farbigen Klasse das Dienen der Weißen aus schließt, könne für die Frauen und Töchter eine regelmäßige Beschäftigung und für alle eine nachhaltige Hülfe nur gebracht werden durch die Schöpfung einer einheimischen Industrie und zwar hier am natürlichsten und leichtesten durch die Berarbeitung und allseitige Berwertung der Schafwolle: es mußte eine Haus- und Fabrikindustrie geschaffen werden zur Ergänzung der Ackerbautätigkeit. Miß Hobhouse kehrte daher nach Europa zurück, machte im Berein mit ihrer ebenso begeisterten und mutigen Freundin Margaretha Clark eine zehn Monate lange Lehrzeit durch als Spinnerin, Weberin und Maschinenstrickerin und begab sich dann, von Miß Clark begleitet, wiederum nach Afrika, um dort alle Kraft und Ausdauer einzuseßen und die neue Industrie sofort einzuführen. Als Bersuchsstation wählten sie Philippolis, im Süden der Dranjefluß-Kolonie. Miß Hobhouse ist mit ihrem kühnen Plan troß allen Schwierigkeiten auf dem rechten Wege; das zeigen die Briefe, die sie von Zeit zu Zeit an ihre Berwandte, Frau Evelyn degli Asinelli, in Genf, schreibt und die von dort aus unter Bekannten und Könnern die Runde machen. Der wesentliche Inhalt dieser Briefe ist nun im Druck erschienen. Sie umfassen den Zeitraum vom Januar bis August 1905 und bilden nebst einer kurzen Einleitung den ersten Bericht über die "Hausindustrien und die Tätigkeit der Hülfsgesellschaft im Burenland"*). Sie geben über interessante Dinge Ausschluß und tragen hoffentlich dazu bei, die Teilnahme am Geschicke der armen Buren wach und warm zu erhalten. Das erste Ziel der praktischen Frauen war die Einführung der Wollenspinnerei als Hausindustrie. Zu diesem Zwecke lehrten sie einige Burentöchter spinnen, später weben. Diese sollten dann ihre Kunst den andern beibringen. Aber da es an Geräten fehlte, ging es mit der Heranbildung von Lehrerinnen und mit der Ausdehnung der neueu Tätigkeit sehr langsam; daher zieht sich durch alle Briefe hindurch die Wehklage: "Wenn wir nur Spinnräder und Webstühle hätten!" Einige Beispiele: (9. März 1905). Die Buren zeichnen die vorhandenen Geräte ab und machen neue; aber sie haben fast kein Holz und ihre Arbeit ist noch ungeschlacht. Es würde Ihnen Bergnügen machen, unser großés Arbeitzimmer zu sehen, das wirklich hübsch ist mit seinen sechzehn Spinnrädern und den paar Webstühlen. Es war uns schwer, so viele abzuweisen und mit einem spätern Eintritt zu vertrösten; aber wir müssen ganz gescheiden und mit wenigen anfangen. Wir lassen also sechs Mädchen kommen on hoffen, die Zahl in einigen Tagen verdoppeln zu können. (19. März). Wir haben mit sechs Mädchen begonnen; sie sind sechzehn bis zwanzig Jahre alt. Noch ein siebentes, dessen Mutter dreimal zu uns kam und um Ausnahme bat, ist zugelassen worden. Bis morgen wird die Zahl auf zwölf gestiegen sein. Diese müssen wir gründlich unterrichten, bevor wir mit einer neuen Reihe anfangen *) Report of the work done by the Boer Home-Industries and Aid Society. konnen. Der Geistliche berichtet von einer großen Anzahl Verwerberinnen; aber wir sind nur drei Lehrerinnen und unterrichten sechs Stunden täglich, sodaß unsere Kräfte aufs äußerste angespannt sind. -(26. März). Wir haben eine strenge Woche hinter uns, mit den dreizehn Mädchen. Alle weitern Anmeldungen habe ich abschlagen müssen. - Diese Woche macht mir ein Bur ein Spinnrad; hoffentlich ist dies der Anfang zu etwas, das allgemein wird. Ich brauche bald ein Heer von Spinnerinnen, um die Webstühle mit Garn zu zum Berkaufe hieher bringen; wenigstens hoffe ich das, wenn die Buren eine beträchtliche Anzahl Spinnräder machen. Eltern haben aus dem Transvaal geschrieben und mir ihre Töchter angeboten; aber ich habe weder Gehülfinnen noch Geräte, um sie aufnehmen zu können. (2. April). Eine ganze Anzahl Mädchen wollen kommen und lernen, zu den vierzehn, die schon da sind; aber ich muß sie fernhalten, da ich weder Stühle noch Schemel habe, auf denen sie sißen und arbeiten könnten, auch viel zu wenig Räder. Das Holz ist sehr teuer und auch sonst schwer zu beschaffen. Im Dorfe gibt's keines; es wird daher lange gehen, bis ich die notwendigsten Dinge bekomme; sogar wenn ich die Geldmittel hätte. Ein Spinnrad ist jeßt erstellt, das allererste; es ist gar nicht übel ausgefallen. -(16. April). Jeßt sind wir siebzehn; aber troß den vielen Anmeldungen darf ich nicht weiter gehen, weil alle Sißpläße beseßt und nur sechts Webstühle da sind. Wir haben mit den Arbeiterinnen eine Besprechung gehabt und ihnen mitgeteilt, daß wir ihre Freundinnen, die auch noch kommen möchten, nicht aufnehmen können, so lange sie sich nicht selber anstrengen, eingene Spinnräder und Webstühle zu beschaffen. Infolgedessen haben etliche ihre Verwandten und Bekannten bewegen können, unsere Räder abzuzeichen, so daß ich hoffe, die Zeit sei nicht fern, wo sie daheim Garn spinnen können. (27. Mai). Wir haben achtzehn Mädchen, bis Montag zwanzig die dann rasch auf dreizig andsteigen werden. - (4. Juni). Wir haben jeßt einundzwanzig Mädchen, und andere warten auf Zulassung. - Es sind jeßt drei oder vier Spinnräder gemacht worden, auch drei Teppich-Webstühle. - (11. Juni). D., unser Faktotum, hat auch drei Räder gemacht; aber wegen Holzmangel kann er mit seiner Arbeit nicht fortfahren; auch sind die ersten Versuche ein bißchen grob, immerhin brauchbar. Nichts könnte uns mehr helfen, als wenn eine Flut Spinnräder über Philippolis herinströmte. Die zweite Industriestation wurde in Langlaagte, in der Nähe von Johannesburg, angelegt. Natürlich zeigte sich auch dort die gleiche Schwierigkeit. (Langlagte, 25. Juni). Wir könnten schon anfangen, aber wir haben nicht genug Spinnräder. Ich habe hier oben zwei gekauft und hoffe, diese Woche einen Schreiner zu finden, der sie genau nach machen kann. Jeßt ist eins gemacht worden und mit Erfolg. Es ist ein Brachstück, kostet aber einen fast unerschwinglichen Preis. Von verschiedenen Orten her schreibt man, wir möchten ihnen Lehrerinnen schicken. Unsere Mädchen könnten solche Arbeit bald übernehmen; aber wegen Mangel an Rädern und Webstühlen werden sie noch lange warten müssen. - Besonders die Leute um Pietersburg herum wünschen, ich möchte ihnen behülflich sein, den Frauen und Mädchen Arbeit zu verschaffen. Die Armut ist dort sehr groß. Wenn wir Räder hätten, so würde ich ihnen eine Lehrerin schicken; sie könnten sich wenigstens im Spinnen vervollkommnen, und wir würden ihnen das Garn abkaufen; kurz, wenn nur Skandinavien eine Schiffsladung schickte! Die Bitte um Spinnräder wurde auch an uns Schweizer gerichtet. Wie viele mögen wohl geschickt worden sein? Ist es möglich, daß Räder zurückbehalten wurden, weil es wieder Mode sein soll, seine Stuben damit zu schmücken?! Wer es damals nicht über sich vermochte, dieses Opfer zu bringen, würde es vielleicht heute tun; aber die Bitten der Miß Hobhouse scheinen allmählich erfüllt worden zu sein.*) Rächst den Spinnrädern waren Strickmaschinen und Webstühle die dringendsten Bedürfnisse: (19. März). Miß Clark unterrichtet das Mädchen H. S. an der Sctrickmaschine. Wir haben sehr viele Bestellungen auf Herrenfocken. Wenn wir nur mehr Maschinen hätten; aber wir haben nur *) In Nr. 337 der R. Z. Z. wird die Schenkung von 450 Spinnrädern verdankt, die am 2. November, in 66 Kisten verpackt, von Basel abgingen. - Ferner sind seither in Bern von großmütigen Lesern dieses Berichtes für das Werk der Miß Hobhouse drei Strickmaschinen zur Berfügung gestellt worden. zwei und Miß Clark muß eine frei halten für ihren eigenen Experimentier Gebrauch. (26. März). Margarethas Lehrling hat auf der Strickmaschine mehrere Socken von verschiedener Qualität fertig gemacht; am aufrechten Stuhl wird eben eine Decke gewoben, am andern ein Teppich. (11. Juni). Ich habe jeßt selber einen vereinfachten Webstuhl planiert und den D. veranlaßt, ihn zu konstruieren. Die Buren sehen die Tragweite dieser Industrie ein. Sie kommen den Bestrebungen der Miß Hobhouse bereitwillig und dankbar entgegen und zeigen auch eine ungewöhnliche Gelebrigkeit. Fast jeder Brief zeugt davon: (19. März). Das Mädchen H. hat der Strickmaschine große Fortschritte gemacht. Sie ist die Tochter eines Kirchenvorstehers. Ihre Mutter starb im Bethulie-Lager. Damit sie zu uns kommen kann, steht sie um halb drei Uhr auf, mächt, backt und glättet; denn sie muß ihren kleinen Geschwistern auch Mutter sein. Um acht Uhr ist sie dann frei. Sechs Stunden an der Maschine ist neben der häuslichen Arbeit zeimlich streng für ein zartes Mädchen, aber sie gibt nicht nach. Auch andere wollen das lernen, und wir möchten nur wünschen, daß die Geldmittel uns erlaubten, zwei weitere Maschinen zu beschaffen. Aber sie sind ziemlich teuer, 325 Fr. das Stück. (26. März). Die Mütter unserer Mädchen, sowie viele andere Frauen, fahren fort, uns mit Naturalgeschenken zu überhäusen. Das eine Mal finde ich einen neubackenen Laib Brot auf meinem Tisch; ein andermal bringt wir erhalten einen Korb mit Gemüse, Früchten, Wassermelonen oder Wildbret. Sie sind voll Anerkennung für unsere Bestrebungen und bieten uns viel Hülfe. Auf die Lernluft und Lernfähigkeit der Burenfrauen und Burenmädchen beziehen sich unter anderem folgende Stellen: (19. März). Diese Arbeit zieht sie an wie das Wasser die Enten. Die Schnelligkeit ihres Forschrittes im Spinnen beschämte uns von Anfang an; denn wir erinnerten uns unserer eiginen Anstregungen. Auch am Webstuhl saßen sie, als hätten sie nie etwas anderes getan. Es ist eine Freude, Mädchen zu unterrichten, die so lernbegierig sind. (2. April). Die Gelehrigkeit und Intelligenz der Mädchen ist in der Tat aussallend und macht uns das Unterrichten zu einem wahren Bergnügen, wie astregend es sonst auch ist. Ich bin überzeugt, daß es Ihnen Freude machen würde, uns alle an der Arbeit zu sehen: fast gänzliches Schweigen und gespannte Ausmerkamkeit und entschiedenes Bemühen, jeden Teil der Arbeit zu überwinden. Wir haben diese Woche etliche Pfund Wolle gesponnen und beabsichtigen, sie augh noch zu färben und einen Teppich zu weben. Mit Bezug auf das Färben sagt Miß Hobhause am 2. April: Gestern lud ich die Leute von Philippolis und die Farmer der Umgebung zu mir ein. Ich lernte vieles von ihnen, sowohl hinsichtlich der verschiedenen Wollenarten, die ihre Farmen liefern, als auch über Pflanzen und Bäume, welche Farbstoff enthalten. Sie versprachen mir, Farbenmuster zu schicken. Es war ein Bergnügen, ihre Freude zu sehen, als ich ihnen zeigte, wie die Wille ihrer eigenen Schafe gewaschen, sortiert, gekraßt und gesponnen wird, und die schön das gefärbte Karn aussieht. Etliche Mädchen haben mir schon Pflanzen gebracht, die Farbstoffe liefern, und eines brachte diese Woche hübsch in Bakete gebundene und etikettierte Wollbüschelchen, mit denen es und seine Mutter in Blechbüchsen Färbversuche anstellt hatten. Wenn ich nur folches Küchengeschirr hätte; denn Töpfe und Pfannen sind selten, und ihre Beschaffung kostet ein schreckliches Geld. (12. Mai). Die Mädchen versprechen, während der fünf Feiertage, die wir ihnen über Ostern geben, auf dem Weideland Farbestoffe zu suchen, und jedes erhielt ein wenig Wolle, um damit zu experimentieren. Es scheint, daß in frühern Zeiten, als die Burenfrauen noch keine Kaufläden hatten, das Färben allgemein bekannt war und ausgeübt wurde. Wir versuchen daher, alle derartigen Kenntnisse zu sammeln, ehe sie ganz verloren gehen. Jedes Mädchen hat ein Färberbuch, in das es von jeder Farbe ein Muster klebt, mit dem Namen der Pflanze darunter, von der sie herkommt und mit der Angabe des Gewinnungsverfahrens. Miß Hobhause will nicht fabrizieren und den Absaß dem Zufall überlassen. Schon am 19. März schreibt sie: Miß Clark macht Proben von verschiedenen Stichen, Wollenarten, und Kleidungsstünden, damit wir Muster verschicken und den Geschmack der Leute kennen lernen können. (26. März). Wir sind gerade damit geschäftigt, Muster an verschiedene Leute zu versenden, die versprochen haben, unsere Fabrikate zu kaufen. (16. April). Herr R., der mit Anfragen bestürmt wird, möchte gern über den Bertrieb einen Artikel veröffentlichen; aber wenn unsere Arbeit für uns spricht, so ist mir das lieber als eine ganze Reihe von Zeitungs-artikeln, und zu disem Zwecke mache ich mich nächste Woche wie eine Geschäftsreisender mit Mustern auf den Weg nach Johannesburg und Bretoria. Habe ich Ihnen schon von unsern Küchentüchern erzählt, die so viel Aussehen erregten und unsere Schule in einem einzigen Tage berühmt machten? Ich gab den Anfängern einige Baumwollsträhnen, womit sie sich üben konnten, und sie machten ihre Sache so gut, daß mir einfiel, der Stoff gäbe ausgezeichnete Küchentücher, etwas, das ich hier für mein Haus vergeblich zu kaufen gesucht hatte. Daher behielt ich selber einige; mit den andern machte dem Geistlichen ein Geschenk. Aber ich glaube, man wird sie nie seiner Küche brauchen; ein Teil wird, wenn ich so sagen darf, ins Gemeindearchiv kommen, als das erste Gewebe, das in der Draniefluß-Kolonie erzeugt worden ist; mit den übrigen ging er nach Bloemfontein und andern Orten, um überall unsere Tellertücher zur Schau zu tragen. Infolgedessen haben wir viele Bestellungen, und die Mädchen müssen tüchtig arbeiten, damit eine genügende Anzahl Ellen erzeught wird. Auch Socken könnten wir so viele verkaufen, als wir wollten. Ich werde auch solche Muster mit nach dem Norden nehmen. Die Rugs (kleine Teppiche, Bettdecken und Vorlagen) werden besonders bewundert und ich habe viele Bestellungen auf diese, sowie auch auf andere Artikel. (27. Mai). Ich bin mit dem Resultat meiner Reife sehr zufrieden. Erstlich hat der Anblick unserer Fabrikate Interesse geweckt und unserer Sache ohne weiteres Freunde und Könner gewonnen. Ferner verkaufte ich fast alles, was ich bei mir hatte. Von gewissen Artikeln hätte ich noch mehr abseßen können, und die große Liste von Bestellungen wird uns ziemlich lange beschäftigen. Endlich beriet ich mich mit den leitenden Persönlichkeiten und diese münschen sehr, daß wir unsere Tätigkeit in die nördlichen Städte verlegen, weil wir sie dadurch weiter ausdehnen könnten. Meine Absicht wäre, unsere Schule hier als Pflanzstätte beizubehalten und mit der Ausbildung von Lehrerinnen forzufarhen. Aber in einigen Monaten können wir in Norden anfangen, und man drängt mich, keine Zeit zu verlieren. Es scheint mir, wir tun am besten, im Langlaagte ein Haus zu mieten; wir sind dann mit der Bahn eine Viertelstunde vom Zentrum Johannesburg entfernt und zu Fuß eine halbe Stunde von den elenden Bezirken Brededorf und Burghersdorf, denen wir helfen wollen. Unsere Decken und Matten wurden allgemein bewundert; es ist eine ganze Liste bestelt worden; aber wir haben nur zwei aufrechte Webstühle. Zwei Mädchen sind beständig an den Strickmaschinen, die jeßt ziemlich rasch Socken liefern. Es tut einem umgemein wohl, zu hören, daß mehr solche Maschinen auf dem Weg sind; denn wenn wir bei Johannesburg anfangen, sollten wir recht viele haben. Wenn diese Socken beseuchtet und auf die Form geprekt sind, so kann man sie von den seinen Fabriksocken nicht mehr unterscheiden, und ihre Qualität ist viel besser. (11. Juni). Wir sind alle mit dem Backen beschäftigt gewesen. Ich werde etwa die Hälfte unserer habe mitnehmen nach unserer Niederlassung im Norden. Miß Hobhause legt Wert darauf, die Mädchen so auszubilden, daß sie nach einiger Zeit selbständig arbeiten und handeln können: (27. Mai). Wir leiten sie an, die Rechnungen selber auszustellen und werden nächstens aus ihrer Mitte einen Ausschuß für die Verwaltung wählen, der die Buchführung und das Geschäftliche zu besorgen hat. Wir haben von Anfang an versucht, ihnen begreiflich zu machen, daß sie selbständig werden müssen, da wir nicht immer bei ihnen bleiben können. Te mehr Miß Hobhouse imstande ist, die Leute daheim zu beschäftigen, desto mehr Befriedigung hat sie, mit desto größerer Sicherheit sieht sie der Verwirklichung ihres großen Planes entgegen: (11. Juni). Das Erlesen und Keinigen der Wolle ist für uns eine ernste Frage geworden, weil es so viel kostbare Zeit in Anspruch nimmt und die Mädchen hindert, die vielen Bestellungen rasch zu erledigen. Wir sind daher auf dem Gedanken gekommen, es so einzurichten, daß alte Leute und Kinder gereinigte Wolle gedenken wir einen Schilling (Fr. 1.25) zu bezahlen. Es haben sich für diese Arbeit viele gemeldet, so daß wir jeßt bloß kämmen und spinnen müssen, was ziemlich rasch von statten geht. Sobald mehr Wollkämmer aus England da sind, werden wir auch das Kraßen der Wolle im Dorf besorgen lassen und dann für das Pfund bedeutend mehr zahlen. Der nächste Fortschritt, auf den ich mich freue, besteht darin, daß auch das Spinnen daheim besorgt werden kann, wobei dann die Mädchen ihre Verwandten zu unterrichten hätten. Dann lohnt es sich für uns, das Garn zu kaufen und nur die Stühle fürs Weben und für die Deckenfabrikation in der Schule zu behalten. Vorläufig kann dies noch nicht geschehen aus Mangel an Spinnrädern. (6. August). Zwei Mädchen haben jeßt das Rad heimgenommen und versprochen, uns wöchentlich drei Pfund gesponnene Wolle zu liefern. Ein drittes Mädchen, das sein eigenes Rad hat, verläßt uns jeßt auch und sein Bater verspricht, es werde dasselbe tun. Das ist der Anfang zur eigentlichen Hausindustrie, auf die wir uns so freuten. Wir warten nur noch auf mehr Räder, um in dieser Richtung vorwärts zu kommen. Wann wird man mir eine Schiffsladung schicken? Diese Auszüge zeigen genügend, daß Miß Hobhause all die Eigenschaften besißt, die zur Durchführung eines so großen Werkes notwendig sind: Mut, Tatkraft und Ausdauer; Fabrikations und Handelskenntnisse; praktisches Geschick und Umgänglichkeit. Sie ist Fabrikant, Geschäftsreisender, Korrespondent und Buchhalter in einer Person und wird nie müde, dem Gelingen ihres großen Unternehmens, für das sie auch ihr Bermögen geopfert hat, all ihre geistigen und leiblichen Kräfte zu widmen. Auch Margaretha Clark scheint eine ähnliche Dame zu sein, eine Helferin, ohne die Miß Hobhause ihre Arbeit fast nicht hätte bemeistern können. Wenn man sich vorstellt, wie viele Entbehrungen dieses Leben für gebildete Frauen mit sich bringen muß, wie aufreibend eine folche Tätigkeit ist, wie viel Mut und Begeisterung es braucht, den Ort, wo ein kleiner Erfolg gesichert ist, jeweilen wieder zu verlassen, um in einem andern, noch ärmen Landesteil von neuem zu beginnen- wenn man sich alles vergegenwärtigt, so muß man staunen über das, was diese Frauen aushalten und leisten, Damen, die daheim ein vornehmes und behagliches Leben führen könnten. Sie müssen sich gestärkt und gehoben fühlen durch ihre Begeisterung für die große Aufgabe, durch die Teilnahme und Unterstüßung von seiten wohlwollender Menschen, durch das Entgegenkommen der dankbaren Bevölkerung und die zuversichtliche Hoffnung, daß es ihnen gelingen werde, das arme Volk instand zu seßen, sich selber bleibend zu helfen. Miß Hobhause scheint nicht an ihre eigene Person zu denken; nur zweimal eintwischt ihr eine Bemerkung über die aufreibende Arbeit: (19. März). Wir sind an der äußersten Grenze unserer Kraft angekommen. - (26. März). Diese Arbeit nimmt meine ganze Keit in Anspruch und untergräbt meine Kraft. Der Leser fragt vielleicht: Tut denn England nichts für seine neuen Untertanen? Warum soll die ganze Welt mithelfen? - Die Antwort ist nicht leicht. Chamberlains Politik bekümmerte sich nur um das Land, nicht um das Volk, und der Regierung ist es wohl auch nicht sehr daran gelegen, daß die Buren, die ihre Gescichte nie vergessen werden, als Volk fortbestehen. Unterstüßung erhält Miß Hobhause von edeldenkenden Engländern wohl auch; aber es braucht eben viel, um im Lande der Verwüstung einem Volke zu helfen, das für seine Unabhängigkeit alles geopfert hat. Miß Hobhause anerkennt mit Wärme, was die Schweiz schon getan; wir wollen jedoch in dieser großen, guten Sache nicht müde werden und das Werk dieser edeln und mutigen Frauen in Südafrika nicht vergessen, sondern bedenken, wie wichtig unser Zusammenwirken ist und wie klein unser Opfer - das Opfer des einzehnen, der in die Tasche langt und zum guten Werke sein Scherflein beiträgt. Prof. A. Baumgartner, Zürich. Freundliche Gaben nehmen gerne entgegen: Herr Pfarrer Ritter, Fraumünster, Zürich. Madame E. degali Asinelli, 8 Grand Pré, Genf. About Emily Hobhouse Buchdruckerei H. Buren-Hardmeyer Zürich I Transcribed and reviewed by contributors participating in the By The People project at crowd.loc.gov.